Zukunftskongress – Talente leben lernen

Talente leben lernen

Dr. Gerhard HuhnDr. Gerhard Huhn

 

Das Flow Konzept als Schlüssel zur Motivation, zu innerem Wachstum und nachhaltigem Lernen

Dr. Gerhard Huhn stellt den von ihm entwickelten Dreidimensionalen Flow-Raum vor, mit dem ein pragmatischer Transfer der psychologischen Forschungen von Prof. Mihaly Csikszentmihalyi in die Alltagsarbeit von Psychologen, Coaches, Führungskräften und Lehrern möglich wird.

 

Jeder hat schon die eine oder andere Flow-Erfahrung gemacht, das Gefühl großer Freiheit, Freude, Erfüllung und Kompetenz erlebt. Es sind, wie Csikszentmihalyi es beschreibt, Momente, in denen »jede Aktion, jede Bewegung und jeder Gedanke wie selbstverständlich aus dem Vorangegangenen folgen, wie bei einer Jazz-Session. Das ganze Sein ist involviert, und man nutzt seine Fähigkeiten bis zum Äußersten.« Es geht um optimale Erfahrungen, jenseits von Stress oder Langeweile.


Die Erkundung des »Dreidimensionalen Flow-Raums« kann dazu verhelfen, diese Erfahrungen aus dem Bereich des Zufälligen in den gewöhnlichen Alltag zu übertragen, so dass Menschen bei dem, was sie tun – was immer es sei – wieder viel häufiger Begeisterung spüren und ausstrahlen.

 

Eine wichtige Erkenntnis: Die alte Vorstellung eines einheitlichen Motivationssystems ist überholt. Wie Dietmar Hansch als Ergebnis neuropsychologischer Untersuchungen (»Psychosynergetik«) herausfand, wirken stattdessen im Menschen zwei verschiedene Antriebssysteme, ein primäres und ein sekundäres Motivations­zentrum, mit völlig unterschiedlichen Wirkungsprinzipien. Die Entdeckung des sekundären Antriebssystems ermöglicht es, innere Ressourcen bewusst zu erschließen, die bisher nur eher intuitiv von wenigen Menschen genutzt wurden, die es z. B. als Sportler, Künstler oder Wissenschaftler zu Spitzenleistungen gebracht haben. Das optimale Gefühl, das diese Menschen in Momenten des Gelingens oder bei der Bewältigung einer besonderen Herausforderung haben, ist prinzipiell aber für jeden Menschen auch im Alltag erreichbar.

 

Dabei geht es nicht um ein ungesundes Rekordstreben oder ständige Leistungssteigerungen, die letztlich zum Burn-out führen können, sondern um eine gesunde Balance im Rahmen der eigenen Talente und Fähigkeiten. Jeder Mensch hat ein eigenes Rückkoppelungssystem, das ihm in jedem Moment exakt signalisiert, ob er überfordert oder unterfordert ist, und es zeigt insbesondere auch an, wann wir uns in einem stimmigen, optimalen Zustand befinden, im Flow. Es gilt, diese feinen Signale wieder wahrzunehmen und vor allem Konsequenzen daraus zu ziehen. Hier liegt eine wesentliche Aufgabe jeder professionellen psychologischen Begleitung aber auch die jeder Führungskraft, jedes Trainers und jedes Lehrers / Lehrenden, seinen Klienten, Mitarbeitern, Studenten und Schülern zu ermöglichen, häufiger und bewusster die begeisternden Flow-Erfahrungen zu machen, die wunderbaren Momente im Leben, die uns ein Gefühl dafür vermitteln, worum es eigentlich geht.

 

Die Arbeit mit dem Flow-Konzept zielt auch nicht auf oberflächliche Glücksmomente, das Erleben häufiger „Kicks“ oder einen Dauergenuss ohne Anstrengung ab, sondern auf ein sinnvolles Leben, das Nutzen und Freude für andere stiftet. Im Dreidimensionalen Flow-Raum werden zunächst die persönlich Sinn stiftende Werte (unter Bezug auf die Arbeiten von Viktor E. Frankl), Wünsche und Ziele erkundet. Hieraus erwachsen Einsichten in die eigenen intrinsischen Antriebskräfte. Die Grundlage der weiteren Arbeit ist dann eine Beschäftigung mit den eigenen Stärken, die (nach Buckingham / Clifton) in Talente einerseits sowie Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten andererseits differenziert werden. Das Verfolgen persönlich bedeutender Ziele in Kenntnis und mit bewusster Mobilisierung der eigenen Talente wird vom individuellen Resonanzsystem mit intensiven Glücksgefühlen begleitet. So wird das Motto »Talente leben lernen« der von Gerhard Huhn und Laura Ritthaler geleiteten Flow Akademie Berlin zu einem Schlüssel für inneres Wachstum, selbstgesteuertes Lernen und persönliche Motivation.

 

Das vorgestellte Modell schafft einerseits eine klare Struktur für die Beratungs-,  Führungs-, oder Lehrtätigkeit. Es ermöglicht andererseits ein äußerst individuelles Vorgehen auf Basis eines systemischen Grundverständnisses. Da es immer an die persönlichen Erfahrungen des Einzelnen anknüpft und diese schrittweise optimiert, stimuliert es die Selbstmotivation, so dass auf die völlig überholten Konzepte der extrinsischen Motivation verzichtet werden kann.

 

Daniel Pink: »Während im 20. Jahrhundert die Etablierung klarer Strukturen und Prozessabläufe im Vordergrund stand und fehlerloses Ausführen von Routinen bei einem hohen Grad von Folgsamkeit der hierarchisch organisierten Mitarbeiter angestrebt wurde, wird es im 21. Jahrhundert immer mehr auf Engagement und Selbststeuerung ankommen. Die Menschen werden immer weniger durch das Prinzip von »Zuckerbrot und Peitsche« geführt werden können (und wollen), sondern es wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass Engagement von Innen- und Selbststeuerung optimaler sind. Es geht um Ressourcenorientierung, um das Erkennen und Erleben von Stärken, um den Mut, auf Autonomie, Meisterschaft und Sinnerfüllung zu setzen.«

 

Daniel Pink nennt diese drei Aspekte, aus denen künftig Motivation entstehen kann. Autonomie erfahren als selbstbestimmtes Arbeiten, Meisterschaft als das Streben, etwas, auf das es ankommt, immer besser zu tun, und Sinn, um der Sehnsucht der Menschen zu entsprechen, etwas zu tun oder daran beteiligt zu sein, das größer ist als sie selbst.

 

Vortrag auf dem 8. Zukunftskongress in Abano Terme, Italien, 2.-4. August 2013

 

Referent: Dr. Gerhard Huhn, Leiter der Flow Akademie Berlin

 

Termin: Samstag, 3. August 2013

 

Weitere Informationen unter

www.flowakademie.de